Wie gross ist eigentlich Langenhorn?

Stadtteile im Bezirk NordNoch immer haben viele Hamburger, besonders aber auch viele neu nach Hamburg gekommene Menschen, eine merkwürdige Ansicht von Langenhorn. Sie stellen sich darunter ein kleines Anhängsel an Hamburg in der Gegend des Flughafens vor. Viele Autofahrer kennen Langenhorn überhaupt nur durch die gleichnamige Chaussee, die als „Rennstrecke“ zwischen Norderstedt und Fuhlsbüttel dient.
Ältere erinnern sich, dass da irgendwo eine Irrenanstalt liegt - oder gelegen hat? Irgendsowas war da. Und ja - Helmut Schmidt soll auch was mit Langenhorn zu tun gehabt haben.
Nutzen wir doch den Beginn eines neuen Jahres dazu, ein wenig Informationen in die Welt zu streuen - bei dem wachsenden Interesse, das die „Langenhorner Rundschau“ in letzter Zeit findet, sollte die eine oder andere Information doch hängen bleiben?
Fangen wir bei den Äußerlichkeiten an - dann haben auch viele Langenhornerinnen und Langenhorner ihr „Oha“ - Erlebnis, denn:

Wer weiss denn sowas? Wie gross ist Langenhorn?

Setzen wir die Ausdehnung Langenhorns einmal mit der Größe der gesamten Stadt Hamburg in Beziehung.
Wenn man die Langenhorner Chaussee nach Hamburg-Innenstadt verlegen würde, dann würde sie von den St.-Pauli- Landungsbrücken bis nach Eppendorf, etwa ans UKE heran,führen. Nicht viel kürzer ist im übrigen auch die Tangstedter Landstraße. Die kennt man nur weniger.
Die Breite der Langenhorner Fläche beträgt etwa die Hälfte der Entfernung zwischen Altona und Wandsbek, nämlich von der Lombardsbürcke bis zum Altonaer Hauptbahnhof, oder vom Bahnhof Sternschanze bis zum Berliner Tor. Eimsbüttel ist gewiss ein großer Stadtteil. Aber man müßte noch Stellingen und Hoheluft sowie Teile von Harvestehude und Rotherbaum dazulegen, um die Grundfläche Langenhorns zu erreichen. Hätten Sie‘s gewusst?



Wer weiss denn sowas? Wieviele Siedlungen gibt es denn?

Dass das frühere Bauerndorf Langenhorn nach dem 1.Weltkrieg zunehmend zu einem städtischen Wohnort geworden ist, ist der Tatsache geschuldet, dass immer wieder neue Siedlungsprojekte in Angriff genommen wurden. Es begann 1914 mit der „Villensiedlung Siemershöh“, gefolgt von der inzwischen weltberühmten Fritz-Schumacher-Siedlung (1919-1921), ihr folgten weitere 37 (!) neue Siedlungsanlagen, sehr viele davon als Reihenhaussiedlungen, so dass Langenhorn in der Literatur als
„Welthauptstadt der Reihenhäuser“ beschrieben wurde.
In den 1930er Jahren entstanden so unter anderen die Linne- und die Maetzel-Siedlung, die Siedlung Wrangelkoppel und die Herzmoor-Siedlung. Sie boten Wohnungen und Häuser im grünen Langenhorn und waren von eher bescheidenem Zuschnitt. Sie wurden ganz offiziell als „Arbeitslosensiedlungen“ und „Armensiedlungen“ bezeichnet.
Selbst die im Zuge des „Deutschen Wirtschaftswunders“ um und nach 1960 entstandenen Siedlungen Olenland, Grote Raak, die Ostdeutsche Bauernsiedlung, die Siedlungen Ochsenzoll I und II, Schiffszimmerer- und SAGA-Siedlungen entsprechen dem Wohnkomfort der damaligen Zeit, d.h. sie waren eher klein und ähnelten so garnicht den Villen z.B. in den Walddörfern oder in Alsternähe. Erst die neuen Siedlungen um die Jahrtausendwende, z.B. die sogenannten „Heidberg-Villages“, vermitteln einen eher großzügigen und zeitgemässen Ansprüchen genügenden Eindruck.
Inzwischen wohnen über 46.000 Menschen in diesem immer noch grünen Stadtteil, mit dem sie sich ganz offensichtlich auch identifizieren können. Unter jungen Leuten hört man zuweilen die Redensart „Wir in L.A.“ Als einer unserer Autoren seinen Kindern vor Jahren erklärte, sie seien in einer Klinik in Eppendorf geboren worden, wurden die ein bisschen blass und sagten erschrocken:„Nun stell‘ dir bloß vor, wir wären in Eppendorf aufgewachsen! Wie furchtbar!“
Es scheint also trotz Facebook, Snapchat, Tinder und Co. immer noch so etwa wie eine „Langenhorner Identität“ zu geben - ein „Wir“ - Gefühl, das sich einstellt, wenn man das Dorf am Rande der Großstadt und die tollen Menschen, die hier leben, erst einmal kennengelernt hat. Dazu muss man sich
allerdings auf sie einlassen und mit ihnen reden. Mit - nicht über! Also: Nicht lang schnacken - Kopp in Nacken und ein herzliches Langenhorner „Moin“! Vielleicht im Bürger- und Heimatverein? Oder lieber in der Geschichts- und Zukunftswerkstatt? Na denn man tau!


Ach ja - fast hätte ich vergessen es zu erwähnen: Bereits in prähistorischer Zeit siedelten hier Menschen, wie Ausgrabungen ergaben. Der Name Langenhorn wurde dann erstmals 1229 in den Urkunden des Hamburger Staatsarchives erwähnt. Damals kam ein Marquard de Langenhorne nach Hamburg, um dort Bürger zu werden. Erst seit dem 1. Januar 1913 ist Langenhorn ein Stadtteil Hamburgs. Und jetzt der sechstgrößte von allen! In echt!

Text: R. Ebert mit Material aus dem „Heimatblatt“, Ausg. 8/1957 und der Langenhorner Rundschau 8/2013. Der Autor ist Vorsitzender des Vereins Geschichts- und Zukunftswerkstatt Langenhorn e.V.