In einem anderen Land

'Lost places' in Langenhorn

Der Poppelauweg war, aller Warnungen der Eltern zum Trotz, die perfekte Abkürzung, wenn man aus der Ecke Auf dem Felde, Scharnskamp, Cordesweg in die südliche Tangstedter Landstrasse wollte. Die Eltern warnten: der Weg sei dunkel und biete Verstecke in den Hecken! Der ideale Nährboden für unsere Phantasie. Da war das Reich des schwarzen Mannes, der Legionen von Mitschnackern anführte. Die wilden Gärten, die den Poppelauweg säumten, standen diametral zur spießig anmutenden Ordnung
ordinärer Kleingartenvereine. Diese anarchistische Romantik hatte natürlich ihren eigenen Reiz.

Es wird klar: der Poppelauweg war für uns Kinder weniger tabu als magnetisch.

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Im Winter, bei Schnee konnte man dort die absolute Stille genießen und sich dem Gefühl hingeben, weit weg zu sein. Im Sommer die oben angesprochene Herausgerissenheit aus dem umliegenden Stadtteil. Es war, wie in einem anderen Land, zu einer anderen Zeit.
Jetzt bin ich mein Leben lang gern durch den Poppelauweg gegangen und die Gefühle sind geblieben – bis vor kurzem. Nun bietet der Poppelauweg einen traurigen Anblick. Die Gärten stehen leer. Und was früher Bilder wilder Romantik evozierte, ist nun geprägt von Verfall, Unrat und Ruinen. Dieser, vielen Langenhornern wahrscheinlich sogar unbekannte Ort, war über Jahrzehnte das Refugium mehrerer Familien und einige Generationen von Kindern haben hier ihre Wochenenden im Sommer verbracht.
Mancher Anwohner der umliegenden Straßen ist hier jahrelang den Weg zum Bahnhof und zurück durchgegangen. So bin ich sicher nicht der einzige, der mit einer Mischung aus niedergedrückter Stimmung und Zorn zur Kenntnis nimmt, dass aus diesem hübschen Kleinod ein Lost-Place geworden ist.
Wenn jetzt noch einer ein Schild mit der Aufschrift „Schutt und Unrat Abladen verboten“ in die Müllhalde rammt, wäre das Bild abgerundet. In den letzten Jahren verschwindet zu viel von dem „alten“ Langenhorn – und zu schnell. Und ein Ausgleich ist nicht in Sicht.


Doch: Wie konnte es soweit kommen?

Die Geschichte ist schnell erzählt. Hamburg braucht neuen Wohnraum, der Bezirk Nord suchte und fand ein Gelände: Das so genannte „Pergolen-Viertel“ in Barmbek. Dumm nur, dass auf dem Gelände Kleingärten waren; die langjährigen Pächter waren alles andere als erfreut über die Pläne.

Also wurde „politisch“ gehandelt und entschieden: Es musste eine „Ausgleichsfläche“ her. Die Suche danach endete wo? In Langenhorn, am Poppelauweg. Das dortige Gelände im Bebauungsplan „Langenhorn 71“ war als sogenanntes „Grabeland“ ausgewiesen und langjährig verpachtet. Wobei die Pächter wenig Unterschied zwischen „Grabeland“ und „Kleingarten“ machten - verständlich, denn die Hungerjahre lagen weit zurück, wo ein Garten mit „genug zu Essen“ verbunden war. Die Rot-Grüne Mehrheit im Bezirk jedenfalls fand, es sei eine gute Idee, hier eine neue dauerhafte Kleingartensiedlung hinzustellen - vor allem, um den Bürgerprotest um das Pergolen-Viertel zu beruhigen. Und so schrieb man dann in den Bebauungsplan „Langenhorn 71“ beschwörend, dass man hier keinesfalls Gewerbe hinstellen möchte, vielmehr ganz bestimmt und für immer etwas Grünes - eben: Eine Kleingarten-Aniedlung.

Nachdem das so mehrheitlich beschlossen war, ebbte der Protest in Barmbek ab. In Langenhorn dagegen gab es zwar betretene Gesichter, denn die langjährigen Pächter erhielten umgehend die Kündigung: Sie mussten ihre grünen Erholungsgebiete räumen. Was dann auch Stück für Stück geschah. Das Murren und Schimpfen war noch einige Zeit in den Wochenblättern zu finden, dann war auch hier Ruhe. Die Symbolpoltik hatte gewonnen!

Denn was war gewonnen durch diese Entscheidungen? Was geschah nun? Richtig: Nichts! Garnichts!

Die Verwaltung hatte ganz bestimmt Wichtigeres zu tun als sich um ein neues Kleingartengebiet zu kümmern, das augenscheinlich auch niemand wollte - sind doch im Umkreis von 1 km eine grosse Zahl leerstehender, ungenutzter Kleingartenparzellen zu finden: Es besteht hier ganz offensichtlich kein Bedarf für weitere Kleingärten. Und so geschah, was immer geschieht, wenn eine Fläche ungenutzt, ungepflegt und unbeobachtet ist. Erst liessen die verärgerten Pächter Müll zurück, als sie auszogen. Und wo Müll liegt und liegenbleibt, kommt Müll dazu.

Das, was der Artikel oben beschreibt und was die Bilder zeigen, spricht für sich: Der Poppelauweg vermüllt. Die früheren Tore und Türen sind längst aufgebrochen oder zerbrochen, hinter den Hecken und am Wegrand sammelt sich der Unrat. Es war nur konsequent und vorhersehbar, dass Anfang des Jahres eine der zurückgelassenen Hütten eines Nachts lichterloh brannte.

Am Poppelauweg wird vorgeführt, wie man ‚mit Ansage‘ mitten im Stadtteil „lost places“ produziert.

Was tun? Die Kleingärten mit Druck einrichten? Wer will die denn? Es gibt jetzt schon im südwestlichen Langenhorn viele freie Parzellen. Das wäre also verlorene Liebesmüh. Warten, bis der Ruf: „Bauland! Bauland!“ ertönt? Der Ruf ist zu erwarten. Und zu befürchten ist, dass die Politik dem Druck der Baulobby nachgibt - was zählen da noch die Schwüre aus „Langenhorn 71“?

Unser Rat an die Kommunalpolitiker und die Verwaltung ist anders. Er lautet: Entweder gebt den früheren Pächtern ihre Parzellen zurück. Oder sprecht mit dem Bürger- und Heimatverein! Der richtet gerne eine Projektgruppe ein und übernimmt die Patenschaft für eine Nutzung durch die Langenhorner Alt- und Neubürger, vergleichbar dem „Urban Gardening“. Kompetenz dafür ist hinreichend gegeben. Dann könnte am Poppelauweg ein vitales grünes Projekt entstehen, das nicht nur dem Quartier guttut. Sondern auch die Müllhalde endlich beseitigt.

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Der Pate von Langenhorn

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