Wächst die Stadt oder wird sie nur dicker?

Zu acht Veranstaltungen lädt das neue Heft 6/2018 der "Langenhorner Rundschau" ausführlich ein, es sind aber weit mehr als doppelt so viele, die insgesamt in Langenhorn im Juni stattfinden werden. Unser Stadtteil lebt - und wie!

Dennoch spürt und hört man allenthalben, dass sich auch Unzufriedenheit breit macht: Muss denn wirklich jeder vermeintlich freie Fleck bebaut werden? Mit den absehbaren Folgen für den ruhenden wie für den im Stau stehenden Autoverkehr? Müssen wirklich immer mehr Menschen auf der gleichen Fläche untergebracht werden? Mein Eindruck: Hamburg wächst nicht - Hamburg wird nur dicker. Und das ist, wie man weiss, nicht gerade gesund. 

Man kann eine „wachsende Stadt“ in einem begrenzten Stadtstaat nur dann hinkriegen, wenn man genau das macht: Alle müssen zusammenrücken, da geht immer noch was mehr hinein. Und dann geht das wie beim Luftballon: Er wird dicker... und dicker... und dicker... und dann?


Ist das wirklich so gewollt? Es sieht ganz danach aus. Denn der als Ausrede gern genannte Siedlungsdruck ist ja nicht von Gott gegeben: Er wird erzeugt unter anderem durch solche Parolen wie die von der „wachsenden Stadt“.

Wenn dann dank Bevölkerungswachstum und guter Konjunktur die Stadtkassen klingeln und überlaufen, dann dürfte man doch erwarten, dass davon etwas in den belasteten Quartieren ankommt. Dass also die soziale und kulturelle Infrastruktur mitwächst. Doch davon ist wenig zu spüren. Lieber spielt die Stadt Unternehmer und investiert mit ihren Tochtergesellschaften in die boomende Baubranche. Ja, da ist mehr zu verdienen als mit Kitas und Einrichtungen für Jugendliche und Senioren. Aber mal ehrlich: SO stellen sich die Langenhornerinnen und Langenhorner  eine „wachsende Stadt“, einen wachsenden Stadtteil, nicht vor!

Es wird dringend Zeit, dass wir das „Gemeinwohl“ wieder entdecken. Das ist die Idee, gemeinsam an etwas zu arbeiten, dass größer ist als jeder Einzelne. So ein Satz klingt heute wie aus dem Märchen. Warum? Jeder will etwas anderes und das ist der Nachteil der Demokraten, es gibt heute kein Wir mehr, wenn man genauer hinsieht gibt es nur noch ein ich. Das Wir ist in seiner Existenz bedroht und wird vom Neoliberalismus aufgefressen. Was wir erleben ist auch das Ergebnis eines Mangels an Wir.

WIR sollten endlich ein neues Wir definieren und propagieren. Ehe die Falschen es tun.

Meint jedenfalls Ihr

Richard Ebert, Verleger der Langenhorner Rundschau