8. Folge der Geschichte Langenhorns - Pest, Hanse und Bürgerrechte

Pest, Hanse und Bürgerrechte

Im Juni 1350 wütete die Beulenpest in Hamburg. 6000 Menschen, nahezu die Hälfte der Bewohner fiel ihr zum Opfer. Auch Graf Bernhard V. von Schauenburg war unter den Opfern. Die Seuche war 1333 in China ausgebrochen und zog von der Krim aus zu den Mittelmeerhäfen und dann weiter nach Norden. 43 Millionen Menschen (davon 25 Millionen in Europa) fielen ihr zum Opfer. Ob dabei Langenhorn verschont wurde? Gerüchten zufolge hatten Juden die Brunnen vergiftet. Deshalb wurden in vielen Städten die jüdischen Einwohner ermordet (größter mittelalterlicher Massenmord).

[Bevölkerungsentwicklung aus Buch „Gründerzeit 1200" Graichen/Wemhoff]

Juden durften schon vorher nicht bei den Zünften aufgenommen werden. Diese genossenschaftlichen Bruderschaften der Meister von Handwerkern und Kaufleuten waren auch soziale Solidargemeinschaften. Seit etwa 1250 gab es in Städten ein Marktrecht für Händler. Es entwickelte sich eine lose genossenschaftliche Verbindung der norddeutschen Kaufleute aus den Handelsstädten: Die Hanse. Sie wurde eine bedeutende auch politische Macht, zumal sie auf einheitlichem Rechtssystem fußte: dem „Lübschen Recht" (Lübecker Statuten und Stadtrecht). Die Grundsätze dieses Handelsrechts waren allgemein anerkannt. Zur Blüte der Hanse um 1400 gehörten rd. 200 Städte dazu - dank der bauchigen Schiffe: Koggen. Es war für Hamburg das Wachstum zu einer mächtigen Freien und Hansestadt Hamburg. Das war sicher für Langenhorn eine gute Zeit. Aber auch Piraten hatten Erfolge gehabt. 1401 wurde Klaus Störtebecker gefangen und mit 71 Seeräubern hingerichtet.

[Kartenausschnitt von Hamburch über Harvestehude und Eppendorp liegt Langenhorn; Karte von Jan Janssonius, um 1658 ]

Bürgerrechte gab es kaum. Nur Adel und Geistlichkeit hatten Rechte. In den Städten hatten die Mitglieder der reichen Familien das Sagen. Stadträte in Hamburg hatten versprochen, niemanden ohne einen Prozess einzusperren. 1410 wurde der Hamburger Bürger Hein Brandt (der einem Herzog eine größere Summe geliehen hatte und Rückzahlung forderte) durch Ratsbeschluss ins Gefängnis geworfen. Diese Willkür des Rates und die hohen Abgaben führten zu einem Aufstand in Hamburg (in Lübeck war 1408 sogar der Rat vertrieben worden). Nach starken urbanen Revolutionen wurde verhandelt und beschlossen:

  • Kein Bürger darf ohne Verhandlung verhaftet werden.
  • Vor einer Kriegserklärung muss der Rat erst die Zustimmung der Bürger einholen.
  • Der Rat darf niemandem freies Geleit zusichern, der Schulden bei Hamburger Bürgern hat.
  • Untreue Bedienstete der Stadt sind zu entlassen.

     

Dieses war sozusagen die erste Verfassung Hamburgs. Bürger konnte nur sein, wer auch Steuern bezahlte. Das wurde durch die Amerikanische Verfassung von 1776 anders. Das war auch der Grund für die bürgerliche Französische Revolution 1798 mit den Forderungen: Freiheit des Einzelnen; Gleichheit vor dem Gesetz und Schutz des Eigentums vor Adel und Geistlichkeit. (Brüderlichkeit wurde später dazu gedichtet. Die Guillotine war absolut nicht „brüderlich"!). Die Rechtsnormen „Code civil / Code Napoleon" setzten sich in Europa durch, weil es moderneres Recht war. Unser Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) ist von 1900 und fußt auf den Errungenschaften aller früheren Rechtsauffassungen.

Hein Brandt wurde nach seiner sofortigen Entlassung zum berühmten Mann und die Straße, in der er wohnte, trägt noch heute seinen Namen – Brandtstwiete.

 

Axel Kloebe

(Quellen: u.a. Internet und Wikipedia)